SGG SECURIT

Beschreibung

SGG SECURIT ist ein thermisch vorgespanntes Glas, dessen mechanische und thermische Beständigkeit über der von normal gekühltem Glas liegt. Das Glas wird dabei bis ca. 650°C aufgeheizt und anschließend rasch mit anströmender Luft abgekühlt. Die Folge ist ein „geordneter“ Spannungszustand im Glas mit Druckspannungen an den Glasoberflächen und Zugspannungen im Glaskern. Im Bruchfall zerbricht es in kleine stumpfkantige Krümel und stellt damit ein Sicherheitsglas mit Schutz vor ernsthaften Verletzungen dar.
 

Produktanwendungen

Einscheibensicherheitsglas SGG SECURIT findet dort Anwendung, wo hohe mechanische und thermische Belastunngen und Forderungen an den Verletzungsschutz zu erwarten sind.

• Glaskonstruktionen: Mit SGG SECURIT lassen sich punktuelle Befestigungssysteme mit hoher partieller Lasteinleitung in das Glas realisieren.
• Ganzglasanlagen: Die Gläser lassen sich durch metallische Beschläge miteinander verbinden. So entstehen Ganzglasanlagen für verschiedene Anwendungen mit am Glasrand geklemmten oder durchgebohrten Glashaltern für
   - Dreh-, Falt- und Schiebetüren,
   - Schaufensteranlagen,
   - Geländerverglasungen,
   - Glaswand- und
   - Fassadenkonstruktionen.

• Innenausbau: Wegen des Verletzungsschutzes empfiehlt sich SGG SECURIT auch für den Einsatz im privaten Bereich: z. B. als Tischplatten, Regale, Möbel, Wandverkleidungen, Türausfachungen, Duschenkonstruktionen.

• Stadtmöblierung: Telefonzellen, Bushaltestellen, Hinweistafeln.

• Brandschutzverglasungen: Die meisten Brandschutzverglasungen bestehen in den Einzelscheiben wegen der erhöhten Biegezugfestigkeit und Temperaturwechselbeständigkeit aus SGG SECURIT.

• Fassaden, Dachverglasungen, Brüstungen: Bestimmte Anwendungen wie
   • Structural Glazing Fassadensysteme,
   • punktgehaltene Verglasungen,
   • (Aussenwandbekleidungen) Fassadenplatten,
   • farbbeschichtete und bedruckte Gläser,
   • ballwurfsichere Verglasungen,
   • Überkopfverglasungen und
   • absturzsichernde Verglasungen

verlangen die Verwendung von vorgespanntem Glas SGG SECURIT, wegen der Sicherheit oder der Belastbarkeit gegenüber thermischen und mechanischen Beanspruchungen.
 

Vorteile

• Bruchverhalten: Im Bruchfall zerfällt SGG SECURIT in kleine stumpfkantige Krümel, was die Gefahr von Verletzungen stark vermindert. Nach den gesetzlichen Anforderungen kann SGG SECURIT als Sicherheitsglas eingestuft werden.

• Größere Belastbarkeit bei mechanischen Beanspruchungen: SGG SECURIT bietet eine Stoß- und Biegefestigkeit, die rund 5 mal höher ist als bei einem normal gekühlten Glas gleicher Dicke. SGG SECURIT-Einheiten lassen sich durch metallische Beschläge rahmenlos verbinden. Dies ermöglicht die Realisierung großer Glasflächen mit einem Minimum an sichtbaren tragenden Strukturen.
 

• Größere Belastbarkeit bei thermischen Beanspruchungen: SGG SECURIT bietet eine höhere Temperaturwechselbeständigkeit als ein normal gekühltes Glas. Diese stellt in den üblichen Bauanwendungen eine ausreichende Beständigkeit gegen thermische Belastungen dar.

• Transparenz: SGG SECURIT besitzt die gleichen lichttechnischen Eigenschaften wie das gleich dicke Basisprodukt vor dem Vorspannprozess.
 

Produktpalette

Wenn keine zusätzliche Angabe über das Glas gemacht wird, das zur Herstellung von SGG SECURIT dient, ist das Basisglas ein klares Floatglas SGG PLANILUX. Andernfalls wird der Name des jeweiligen Basisglases als Zusatz zum Produktnamen SGG SECURIT genannt (z. B.: SGG SECURIT auf Basis des gefärbten Floatglases SGG PARSOL GRÜN heißt SGG SECURIT PARSOL GRÜN). Die meisten Produkte von SAINT-GOBAIN GLASS können vorgespannt werden bzw. sind in vorgespannter Ausführung erhältlich, mit Ausnahme von:

- mundgeblasenen oder bestimmten gezogenen Gläsern ( SGG SAINT-JUST);
- SGG PLANILAQUE, SGG MIRALITE REVOLUTION und SGG CREALITE;
- bestimmten SGG DECORGLASS-Typen;
- Produkten, bei denen das Vorspannen die Eigenschaften und/oder Leistungen des Produktes wesentlich verändert (z. B.: SGG STADIP oder SGG STADIP PROTECT haben im vorgespannten Zustand bei bestimmten Belastungen andere Festigkeitswerte als nicht vorgespannte Versionen).
 

 

(1) L/l < 15 für Dicken ≤ 8 mm. Kriterien der Durchbiegung auf Anfrage. Andere Abmessungen auf Anfrage.
(2) Ohne Bohrungen und Ausschnitte. Die Maximalabmessungen können je nach Lieferung differieren. Bitte nachfragen.

 

SGG SECURIT ist in allen Dicken von 4 bis 19 mm verfügbar.

Abmessungen maximal:

2800 x 6000 mm. Andere Abmessungen und Basisprodukte wie SGG EMALIT, SGG SERALIT oder SGG COOL-LITE auf Anfrage.

 

SGG SECURIT-H mit Heat-Soak-Test

Um das Risiko von Spontanbrüchen durch kritische Nickelsulfid(NiS)-Einschlüsse im Glas zu reduzieren, werden vorgespannte Gläser einem speziellen thermischen Prozess unterzogen, dem sogenannten „Heat-Soak-Test“. Dabei werden die Glasscheiben über einen bestimmten Zeitraum nochmals erhitzt; bei einem möglichen Nickel-Sulfid-Einschluss löst dieser einen Glasbruch aus. Die Anforderungen zur Prüfung und Überwachung sind in der Bauregelliste des DIBt und DIN EN 14179 festgelegt. Der Heat-Soak-Test ist für alle sicherheitsrelevanten Anwendungen vorgesehen, wie bei Fassadenplatten, Scheiben mit besonderer Erwärmung oder Bauteile des konstruktiven Glasbaus.
 

Technische Daten

• Stoßfestigkeit:

SGG SECURIT ist für bestimmte Anwendungen nach EN 12600 (Doppelreifenversuch) und Ballwurfsicherheit nach DIN 18032-3 getestet.
 

 

• Biegefestigkeit:

Die Biegefestigkeit von SGG SECURIT ist deutlich höher als die eines normal gekühlten Glases, mit einer Oberflächenspannung von mindestens 120 MPa (EN 12150). Die zulässigen Biegezugspannungen sind den jeweiligen Anwendungsnormen zu entnehmen.
• Festigkeit gegen thermische Beanspruchungen:
SGG SECURIT verfügt über eine  Temperaturwechselbeständigkeit von ca. 150° K.
 

Hinweise

Verglasungen SGG SECURIT werden wie übliche Verglasungen in Rahmenkonstruktionen, oder als Elemente des konstruktiven Glasbaus eingesetzt. Die jeweiligen produkt- und anwendungsbezogenen Verglasungsvorschriften sind zu beachten. Die Verbindungen sind so auszuführen, dass keine Zwängungen aus Temperaturänderungen, Bauwerksverformungen oder Toleranzproblemen auftreten.
 

Regelungen

SGG SECURIT entspricht den Anforderungen der Norm DIN EN 12150. Jedes Glas wird dauerhaft mit einem Stempel gekennzeichnet, der den Namen SGG SECURIT, den Namen des Herstellers und einen Verweis auf die DIN EN 12150 enthält. Dieser Stempel kennzeichnet die Herkunft des Produkts und seine Übereinstimmung mit der Norm DIN EN 12150.

SGG SECURIT-Gläser erhalten nach Ablauf der Koexistenzphase zum 1.9.2006 das CE-Zeichen.

 

Martela, Helsinki, Finnland
Architekt: Tommila Oy


 

Verarbeitungsmöglichkeiten

SGG SECURIT kann nach dem Vorspannprozess nicht mehr bearbeitet werden, weil eine Störung des Eigenspannungszustandes durch Bohren oder Schneiden zum Bruch des Glases führen würde. Alle Bearbeitungen müssen vorher am Floatglas erfolgen. Nach dem Vorspannen ist möglich:

- sandstrahlen oder säuremattieren (das verändert aber die zulässige Biegezugspannungengegenüber unbehandelten Gläsern);
- beschichten: Sonnenschutz ( SGG SECURIT ANTELIO, SGG SECURIT COOL-LITE), Wärmedämmung ( SGG SECURIT PLANITHERM ULTRA N) oder Selbstreinigung ( SGG BIOCLEAN SECURIT);
- laminieren ( SGG STADIP SECURIT);
- zu Isolierglas verarbeiten ( SGG CLIMAPLUS SECURIT);
- emaillieren ( SGG EMALIT)
- siebbedrucken ( SGG SERALIT).

Eigenschaften von SGG SECURIT für die Transformation
Die Dickentoleranzen sind wie bei SGG PLANILUX.
Flächentoleranzen:


- bei einer Dicke d ≤ 6 mm
Abweichung max. = 3 ‰ über die Kanten
Abweichung max. = 6 mm über die Diagonalen
- bei einer Dicke d ≥ 8 mm
Abweichung max. = 2 ‰ über die Kanten
Abweichung max. = 5 mm über die Diagonalen.

 

Kantenbearbeitung

Die Kanten von SGG SECURIT müssen vor dem Vorspannen bearbeitet werden. Nach diesem Prozess können die Einheiten weder zugeschnitten noch kantenbearbeitet werden. Die verschiedenen Maßnahmen werden so durchgeführt, dass die Schmalseiten, Kanten und Oberflächen von SGG SECURIT-Scheiben nicht beschädigt werden.


Standard-Kantenbearbeitungen:

- gesäumt;
- geschliffen;
- maßgeschliffen;
- poliert;
- Steilfacette.


Die Ränder von Bohrungen können:

- gesäumt werden, 45° für Durchmesser ≤ 50 mm;
- gesäumt, geschliffen, maßgeschliffen oder poliert werden für Durchmesser ≥ 30 mm.
Andere Kantenbearbeitungen auf Anfrage


Bohren

Der Durchmesser eines Bohrlochs muss mindestens so groß sein wie das Glas dick. Außerdem darf der Durchmesser Ø (oder die Summe aller Ø) im Verhältnis zur Breite b der Glaseinheit höchstens betragen:
- b/4 für SGG SECURIT mit d ≤ 6 mm;
- b/3 für SGG SECURIT mit d = 8, 10, 12 mm.
• Regeln für das Einfügen von Löchern
Löcher mit Ø ≤ 40 mm
Die Minimalabstände des Entwurfs berücksichtigen.

 

 

Löcher mit Ø > 40 mm

Die Minimalabstände des Entwurfs berücksichtigen.
 

 

 

 

 

 

Waterstone, Glasgow, UK
Architekt: Arnold Smith

 

Toleranzen auf den Lochdurchmesser
 

 

• Toleranzen auf die Lochposition
Seiten unter 1 m: ± 2 mm
Gesägte Löcher
Ausschnitte an den Rändern durch Sägen.
5 mm ≤ b ≤ 2 d

 

 

Rechtwinklige Löcher
X ≥ A/2 und Y ≥ B/2
Bei SGG SECURIT 6 mm:
A ≤ L/4 und B ≤ I/4
Bei SGG SECURIT 8 mm:
A ≤ L/3 und B ≤ I/3
r ≥ 10 mm
 

 

 

• Toleranzen auf die Abmessungen
Seiten von 5 bis 50 mm: ± 1 mm
Seiten von 51 bis 100 mm: ± 2 mm
• Toleranzen auf die Lochposition
Toleranzen auf die Positionierung: ± 1,5 mm

Ausschnitte
Wenn die Außenränder der Beschläge auf den Glaskanten angeordnet sind, muss das Spiel zwischen dem inneren Beschlagteil und dem Glas immer zwischen höchstens 4 mm und mindestens 1 mm liegen.
• Regeln für das Einfügen von Ausschnitten (siehe Abb. 5)
Y1 ≤ X1 und Y1 ≤ X2: Die Höhe eines Aussschnitts darf nicht größer sein als seine Breite.
 

 

 

b ≥ X1/2: Der Abstand zwischen zwei Ausschnitten muss mindestens gleich der halben Breite des größeren Ausschnitts sein.

a ≥ X1/2 und a ≥ 100 mm: Der Abstand zwischen Ausschnitt und Glasrand muss mindestens gleich der halben Ausschnittbreite sein und größer als 100 mm (siehe Abb. 6).

R ≥ d: Der Radius des Ausschnitts muss mindestens gleich der Glasdicke sein.
 

• Regeln für das Einfügen von Ausschnitten im Winkel (siehe Abb. 7)
X ≤ B/3 und X ≤ 200 mm
Y ≤ H/3 und Y ≤ 200 mm
Die Breite des Ausschnitts darf nicht größer sein als 1/3 der Breite des Glases.
Für das Horizontalvorspannen dürfen die Breite und die Höhe des Ausschnitts 200 mm nicht überschreiten.
 

 

• Toleranzen auf die Ausschnittposition
Toleranzen auf die Positionierung: ± 2 mm

Spezialfaelle
• Trapezförmige Einheiten
Das Verhältnis L/l < 8 nicht überschreiten, wobei l = (A + B) / 2 und B mindestens gleich 250 mm.
• Einheiten mit spitzem Winkel
Es gelten die gleichen Regeln wie für trapezförmige Einheiten.
 

 

Kante B, in die sich keine Ausschnitte mehr einfügen lassen, wird in mm wie folgt bestimmt:
Wenn theta = der spitze Winkel, ausgedrückt in Grad
theta ≤ 65°: B min = 18 - 0,2 x
theta > 65°: B ≥ 5 mm
 

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