SGG LITE-FLOOR

Beschreibung

SGG LITE-FLOOR ist ein Verbund-Sicherheitsglas, das speziell für den Einsatz in planmäßig begehbaren Flächen wie Fußböden und Treppenstufen entwickelt wurde.

Diese Verbundsicherheitsgläser bestehen aus mindestens drei Einzelscheiben, die mit einer hochreißfesten Polyvinyl-Butyral-Folie (PVB-Folie) miteinander verbunden sind. Die Einzelscheiben werden je nach Anwendung und Auflagersituation in Floatglas, vorgespanntem Glas, teilvorgespanntem Glas oder einer Kombination dieser Gläser ausgeführt.

Durch Änderung der Zahl und/oder Dicke der einzelnen Komponenten erhält man Verbund-Sicherheitsgläser mit unterschiedlichen Eigenschaften. Das erlaubt es, für unterschiedlichste Beanspruchungen das jeweils richtige System zu finden.

 

Museo del Fiume, Nazzaro, Rom, Italien
Architekten: Ferrini - Fumo - Sani - Stella


 

Produktanwendungen

Begehbare Verglasungen können im Innen- und Außenbereich eingesetzt werden. In beiden Anwendungsgebieten muss die Verglasung in der Regel eine ausreichende Rutschhemmung aufweisen. Falls sich unter der begehbaren Glasfläche Personen aufhalten können, wird die Verglasung als Überkopfverglasung eingestuft und muss entsprechend dimensioniert werden.


Mögliche Anwendungsfälle sind:
- Treppen
- Emporen
- Decken
- begehbare Dächer
- Glasbrücken
- etc.
 

Vorteile

Die gestalterischen Ansprüche moderner Architektur fordern zunehmend transparente Raumkonzepte, in die auch begehbare Bauteile einbezogen werden. Das Produkt SGG LITE-FLOOR als begehbares, statisch tragendes Verbund-Sicherheitsglas bietet eine hervorragende Möglichkeit diesen Wunsch nach Transparenz mit den notwendigen Sicherheitseigenschaften zu vereinen.

Für SGG LITE-FLOOR konnte die erste Allgemeine Bauaufsichtliche Zulassung für begehbares Glas in Deutschland erwirkt werden, Zulassungsnummer Z-70.6-90.

Damit entfällt eine oft kosten- und zeitintensive Beantragung einer Zustimmung im Einzelfall für zahlreiche Anwendungsfälle.

Durch die Verwendung verschiedener Emailfarben für die rutschhemmende Beschichtung oder durch farbige Folien ergibt sich eine Vielzahl von unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten, die den ästhetischen Ansprüchen der Architekten gerecht werden. Die Standardfarben sind den Produktbeschreibungen SGG EMALIT / SGG SERALIT zu entnehmen.
 

Produktpalette

Basisprodukte

SGG LITE-FLOOR kann aus folgenden Gläsern bestehen:
- gewöhnliches SGG PLANILUX;
- extra-klares SGG DIAMANT;
- teilvorgespanntes SGG PLANIDUR;
- in der Masse gefärbtes SGG PARSOL;
- säuremattiertes SGG SATINOVO MATE oder SGG CHARME (mattierte Fläche als Unterseite der Platte, nicht als statisch tragende Scheibe);
- siebbedrucktes SGG SERALIT (nur eine Komponente);
- geprägtes SGG DECORGLASS oder SGG MASTERGLASS (Ornamentseite als Unterseite der Platte) (nicht als statisch tragende Scheibe);

 

PVB-Folien

Für SGG LITE-FLOOR sind folgende Folien verfügbar:

- transparent (Standard);
- hellmatt;
- gefärbt ( SGG STADIP COLOR);
- mit Druck eines Digitalbilds ( SGG IMAGE);
- mit Motivdruck: PET zwischen zwei PVB-Standardfolien ( SGG STADIP DESIGN).

Die Gläser der Produktreihe SGG LITEFLOOR werden untenstehend angegeben. Der Typ des zu verwendenden Glases richtet sich nach der Zahl und Art der Auflagerungen, nach dem Verhältnis von Länge zu Breite und nach der Art des Gebäudes, in dem die Platte eingesetzt wird.

Die folgende Produktpalette umfasst alle Produkte gemäß Zulassung sowie darüber hinaus gängige Aufbauten. Die durch die Zulassung vorgegebenen Abmessungen sind hierbei zu beachten.
 

 

Technische Daten

Tragfähigkeit und Resttragfähigkeit

Für eine sehr große Anzahl der Anwendungsfälle wurde bereits die Tragfähigkeit und Resttragfähigkeit der  Aufbauten nachgewiesen. Diese sind in der Allgemeinen Bauaufsichtlichen Zulassung Z-70.6-90 zusammengefasst.
In den folgenden Bemessungsdiagrammen sind die statisch erforderlichen Glasaufbauten für vierseitig und punktförmig gelagerte Scheiben aufgeführt, die durch die Allgemeine Bauaufsichtliche Zulassung Z-70.6-90 abgedeckt sind.

Hierbei gelten folgende Lastannahmen bzw. Randbedingungen:
• Lastannahmen:
Eigengewicht + Verkehrslast (5,0 kN/m²),
Eigengewicht + Einzellast (2,0 kN)
(Einzellast: Aufstandsfläche von 10 cm x 10 cm in ungünstigster Laststellung),
• zulässige Spannungen:
VSG aus Float: 15 N/mm² (gemäß TRLV),
VSG aus TVG (unbedruckt): 29 N/mm²,
• zulässige Durchbiegung:
L/200,
• Deckscheibe = Verschleißschicht – wurde statisch tragend nicht berücksichtigt,
• keine Befahrung, übliche Nutzung durch Personenverkehr,
• horizontaler Einbau oder ein maximaler Neigungswinkel von 5°,
• weitere wichtige Hinweise sind dem Zulassungstext zu entnehmen.
 

Hinweise

Linienförmige Lagerung

Bei der Planung bzw. beim Einbau von linienförmig gelagerten Scheiben sind folgende Punkte zu beachten:
• Die Gläser sind auf einer ebenen, verwindungsfreien und biegesteifen Konstruktion vollkommen fluchtgerecht und plan zu verlegen. Dickenunterschiede innerhalb der Toleranzen sind mit einem geeigneten Auflagermaterial auszugleichen. Die Haltekonstruktion muss eine zwängungsarme Montage der Scheiben sicherstellen.
• Die Durchbiegung der Unterkonstruktion darf maximal l/200, höchstens jedoch 15 mm betragen.
• Die Gläser müssen zur Tragkonstruktion auf elastischen Zwischenlagen aus Silikon, EPDM oder Neopren liegen. Diese Auflagerprofile sollten eine Shore-A-Härte von 60 – 80 und eine Dicke von ca. 5 mm haben. Damit kann gewährleistet werden, dass sich die Scheiben ohne Beschädigung geringfügig durchbiegen können und direkter Glas-Metall-Kontakt verhindert wird.
• Die Auflagerbreite bzw. der Glaseinstand sollte 30 mm betragen.
• Die Gläser sind an ihren Kanten auf Distanz zu klotzen, um den Glas-Glas-Kontakt bzw. den Glas-Metall-Kontakt zu vermeiden.
• Der Abstand zwischen den Gläsern bzw. zwischen Glas und Konstruktion muss unter der Berücksichtigung der Fertigungstoleranzen mindestens acht Millimeter betragen.
• Die Fuge sollte mit VSG-verträglichen, dauerelastischen Dichtstoffen (z. B. Silikon) versiegelt werden. Aushärtendes Material darf nicht verwendet werden.
• Die Glaskanten sollten geschliffen oder poliert werden. Eine Toleranz von ± 2 mm ist produktionsbedingt für alle Plattenabmessungen zu berücksichtigen.
• Bei Beleuchtungen unterhalb der Glasfläche ist darauf zu achten, dass das Glas durch Energieeinstrahlung und Wärmeentwicklung thermisch nicht überlastet wird. Um das Glas vor Überhitzung zu schützen, sollten deshalb Beleuchtungskörper bzw. Lampen mit geringer Wärmeentwicklung eingesetzt werden, oder es ist für eine ausreichende Belüftung zu sorgen. Bei geringen Luftzwischenräumen ist eine Zwangsbelüftung erforderlich. Eine andere Alternative ist die Verwendung von Gläsern mit einer höheren Temperaturbeständigkeit (z. B. SGG PLANIDUR).
• Auch bei anderen punktuellen Wärmequellen, denen das Glas ausgesetzt ist, muss überprüft werden, ob ein thermisches Bruchrisiko besteht.
• Die Scheibe ist ggf. gegen Abheben zu sichern.
 

Schematische Darstellung der Einbausituation:

 


 

 

Punktförmig gelagerte Gläser

Grundsätzlich werden bei der Verwendung von punktförmig gelagerten Scheiben die gleichen Anforderungen an die Unterkonstruktion bzw. die Einbaubedingungen gestellt wie bei linienförmig gelagerten Scheiben. Zusätzlich sollten bei punktförmig gelagerten Scheiben folgende Hinweise beachtet werden:
• Der Abstand des Punkthalters von der Glaskante sollte 80 – 130 mm betragen, wobei die Punkthalter in der Ecke mit einem asymmetrischen Randabstand angeordnet werden sollten.
• Der maximale Glasüberstand sollte 130 mm nicht überschreiten.
• Damit eine ausreichende Resttragfähigkeit gewährleistet werden kann, sollte der Abstand zwischen zwei Punkthaltern auf 1,20 m beschränkt werden.
• Das Glas darf nicht planmäßig zur Aussteifung der Konstruktion genutzt werden.
• Das Glas muss zwängungsfrei mit der Unterkonstruktion verbunden werden, hierzu muss eine statisch bestimmte Lagerung realisiert werden.
• Die Unterkonstruktion muss verwindungssteif und tragfähig sein.
• Alle Toleranzen (Glas, Konstruktion, Temperaturausgleich etc.) müssen im Vorfeld aufeinander abgestimmt werden. Die Schnittstelle zwischen Unterkonstruktion und Glashalterbolzen ist so auszuführen, dass die auftretenden Toleranzen sicher aufgenommen werden – d. h. alle Auflagerpunkte sollten entsprechend justierbar sein, und es muss mit Fest- und Loslagern gearbeitet werden.
Um eine ausreichende Resttragfähigkeit gewährleisten zu können, sollten die Punkthalter über Lochbohrungen mit dem Glas verbunden sein.
Für die punktförmig gebohrt gelagerten Scheiben werden ausschließlich SGG POINT- Halter AK C 46/70 verwendet. Für die geklebte punktförmig gehaltene Variante wird der Halter SGG POINT AK KT 70 angeboten.
 

Schematische Darstellung der Einbausituationen am Punkthalter:
 

 

Versiegelungsfugen

Der Versiegelungsfuge bei SGG LITE-FLOOR-Verglasungen kommt eine entscheidende Bedeutung zu, da sie oftmals den Raumabschluss sicherstellen muss. Gerade beim Einbau der punktförmig gehaltenen Variante wird die Fuge stark belastet. Oft ist erst nach einer Grenzbetrachtung aller Bewegungen der Konstruktion eine fachgerechte Dimensionierung der Fuge möglich.
Grundsätzlich unterscheidet man die Nass- und die Trockenversiegelung sowie die Mischung aus beiden Versiegelungsarten. Die Nassversiegelung wird mit einem Flüssigsilikon, die Trockenversiegelung mit vorgefertigten Silikonprofilen ausgeführt. Bei einer Mischung der Nass- und der Trockenversiegelung werden sowohl Silikonprofile als auch Flüssigsilikon verwendet. Welche Ausführung für den aktuellen Anwendungsfall die geeignete ist, muss im  Einzelfall entschieden werden. Eine technische Klärung mit den Dichtstoffherstellern und Silikonlieferanten ist immer erforderlich.

Entwässerung

In der Außenanwendung ist auf eine ausreichende Entwässerung zu achten. Das Wasser sollte möglichst ungehindert ablaufen können. Dauerfeuchte kann die Glasoberfläche durch Auslaugung optisch verändern oder sogar zerstören. Die Tragfähigkeit des Gesamtsystems wird dadurch jedoch nicht beeinträchtigt.
 

Regelungen

SGG LITE-FLOOR-Gläser entsprechen Norm EN 12543. Sie erhalten das CE-Zeichen, sobald dieses offiziell in Gebrauch ist.

Nach dem Bauordnungsrecht werden geregelte und nicht geregelte Bauprodukte oder Bauarten unterschieden. Dabei gelten Bauprodukte oder Bauarten als nicht geregelt, wenn es für sie keine technischen Baubestimmungen oder allgemein anerkannten Regeln der Technik gibt oder wenn sie von den technischen Baubestimmungen wesentlich abweichen. Für die Verwendung dieser Bauprodukte oder Bauarten ist entweder eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des Deutschen Institutes für Bautechnik in Berlin oder eine Zustimmung im Einzelfall der jeweiligen Landesbaubehörde erforderlich.

 

Rechtliche Anforderungen

Bei begehbaren Verglasungen handelt es sich z. Zt. um Bauprodukte, die baurechtlich nicht geregelt sind.
SGGLITE-FLOOR jedoch ist das erste System für begehbare Verglasungen mit Allgemeiner Bauaufsichtlicher Zulassung, Z-70.6-90. Darüber hinaus besteht für das teilvorgespannte Glas die Allgemeine Bauaufsichtliche Zulassung Z 70.3-68.

Sollte die Anwendung der Verglasung von denen abweichen, die durch die Zulassung abgedeckt werden, so ist es notwendig, eine Zustimmung im Einzelfall bei der obersten Landesbaubehörde zu erwirken. Hierbei ist ein frühzeitiger Kontakt während der Planungsphase sinnvoll. In der Regel sind für die Zustimmung im Einzelfall folgende Nachweise zu erbringen:


• Standsicherheits- und Gebrauchstauglichkeitsnachweise,
• Versuche zur Stoßsicherheit und Sicherheit bei Glasbruch (Resttragfähigkeitsnachweis).
 

In Deutschland müssen die begehbaren Verglasungen für Eigengewichts- und Verkehrslasten nach DIN 1055 bemessen werden. Zusätzlich ist die Einwirkung einer Einzellast auf einer Aufstandsfläche von 10 cm x 10 cm in ungünstiger Laststellung zu untersuchen.

Grundsätzlich wird bei den Verkehrsund Einzellasten zwischen Lasten in öffentlichen Gebäuden und in Wohngebäuden unterschieden. Nach DIN 1055 Teil 3 sind z. B. für Treppen und deren Zugänge folgende Lasten anzusetzen:

Nach den Empfehlungen des Deutschen Instituts für Bautechnik ist der Standsicherheits- und Gebrauchstauglichkeitsnachweis für zwei Systemzustände nachzuweisen:

1. alle Gläser sind unbeschädigt,
2. die oberste Scheibe ist beschädigt und trägt nicht mit („Ausfall der obersten Glasschicht“).
Bei den rechnerischen Nachweisen sind prinzipiell alle wesentlichen beanspruchungs- und deformationserhöhenden Einflüsse (Glasbohrungen, Rand- oder Eckausschnitte, Einspannungen, Deformationen der Stützkonstruktion, Abheben nicht gehaltener Ecken, Temperaturdehnungen, Lagerexzentrizitäten, Montagezwängungen, Toleranzgrenzlagen, usw.) zu berücksichtigen. Ein günstig wirkender Schubverbund zwischen den Einzelscheiben der VSG-Einheit darf bei den Spannungs- und Durchbiegungsnachweisen nicht berücksichtigt werden.
Die für die verschiedenen Glasarten zulässigen Spannungen sind den „Technischen Regeln zur Verwendung von linienförmig gelagerten Verglasungen“ zu entnehmen. Für unbedrucktes TVG ist eine zulässige Biegezugspannung von 29 N/mm² und für bedrucktes oder emailliertes TVG von 18 N/mm² anzusetzen. Beim Spannungsnachweis der Verglasungen im Systemzustand 2, obere Scheibe beschädigt, dürfen die zulässigen Spannungen des Systemzustands 1 um 50% erhöht werden.


Die Durchbiegungen der Verglasungen sind auf folgende Werte zu begrenzen:
• Systemzustand 1: L/200,
• Systemzustand 2: L/100.
 

Verarbeitungsmöglichkeiten

Das Maximalgewicht pro Einheit beträgt 1500 kg.

Das Schleifen von SGG LITE-FLOOR-Platten und -Stufen verringert das Bruchrisiko bei Transport und Montage. Die sichtbaren Kanten sollten poliert sein, nicht sichtbare Kanten brauchen nur maßgeschliffen zu sein.
SGG LITE-FLOOR lässt sich zu einem Isolierglaspaket ergänzen. Hierbei ist besonders auf die Lastabtragung zu achten, die nicht über den Abstandhalter erfolgen darf. Im Folgenden zeigt die Skizze ein Einbau- und Auflagerschema für eine Isolierglaseinheit.
 

 

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